HIAG Data Partnerinterview Microsoft

«Wir leisten gemeinsam Pionierarbeit für die Schweiz»

Seit 2016 arbeiten HIAG Data und Microsoft Schweiz eng zusammen und kombinieren Cloud-Infra­struk­turen mit der passenden Software, um verschiedenen Branchen massgeschneiderte Lösungen anbieten zu können. Im Interview erklärt die Länder­verant­wortliche von Microsoft Schweiz, ­Marianne Janik, wo die Schweiz im Prozess der Digitali­sierung steht und worin der Nutzen einer Partner­schaft mit HIAG Data liegt.

Frau Janik, Sie sind seit 2015 Länderverantwortliche für Microsoft Schweiz und treiben mit Ihrem Team die digitale Transformation voran. Worin sehen Sie dabei hierzulande die grössten Chancen und Herausforderungen?

Marianne Janik: Die Chancen für die Schweiz liegen in der DNS des Landes. In Sachen Innovation ist die Schweiz weltweit ganz vorne dabei. Das Thema Sicherheit ist quasi der Markenkern der Schweiz. Des Weiteren ist das Thema Bildung eine Chance, denn wir haben hier hervorragende Eliteuniversitäten im technischen Umfeld und von unschätzbarem Wert ist die duale Ausbildung. Wenn dieses Bildungssystem gut genutzt wird, können wir sicherstellen, dass auch die Profile ausgebildet werden, die am Markt gebraucht werden. Natürlich gibt es auch Themen, in denen die Schweiz unter ihren Möglichkeiten bleibt: Man geht hierzulande wenig Risiken ein, das zeigt sich am Risikokapital, das zur Verfügung steht. Auch die technische Beurteilungsfähigkeit ging durch Outsourcing in den letzten Jahren verloren. Zudem sinkt die Produktivität in der Schweiz, das muss man sehr ernst nehmen. Die Digitalisierung kann helfen, dem entgegenzuwirken.

In welcher Form kann die Digitalisierung hierbei helfen?

MJ: Wenn wir uns zum Beispiel das Thema Augmented Reality (AR) anschauen, in das Microsoft sehr viel investiert, könnte das die Arbeit eines Mitarbeiters in der Produktion vielfältiger, interessanter und effizienter gestalten. Vor dem Hintergrund, dass im Produktionsbereich in der Schweiz in den letzten zehn Jahren 50’000 Stellen abgebaut worden sind, könnte AR dazu beitragen, diesen Trend zu stoppen. Das ist enorm wichtig, denn im digitalen Zeitalter ist die Kombination aus Hightech, Mechanik und Produktion ein Erfolgsfaktor, der zu jener Innovationskraft führt, auf die wir in der Schweiz zu Recht sehr stolz sein dürfen.

Wo stehen Schweizer Firmen Ihrer Meinung nach in diesem Transformationsprozess und gibt es dabei Unterschiede zwischen multinationalen Unternehmen und KMUs?

MJ: Die meisten grossen Unternehmen in der Schweiz haben sich für eine Plattform entschieden oder sind gerade dabei. Bei den KMUs gibt es einige, die weit voraus sind. Doch ein Grossteil der kleinen und mittleren Betriebe hat erst damit begonnen, sich dem Thema Digitalisierung intensiv zu widmen. Hier besteht folglich grosses Potenzial. Und um dies nutzen zu können, müssen wir Lösungen schaffen, die einen möglichst barrierefreien Eintritt in die Cloud ermöglichen. Um solche auf die Branchen zugeschnittenen Lösungen anbieten zu können, müssen sich Anbieter zusammenschliessen. Diese Angebotsstrukturen sind neu und mit lokalen Partnern wie HIAG Data im Rahmen eines «Ökosystems» umsetzbar. Wir leisten gemeinsam Pionierarbeit für die Schweiz.

Was könnte die Schweiz Ihrer Meinung nach tun, um im Rahmen der Digitalisierung kompetitiv erfolgreich zu sein?

MJ: Wir sollten uns auf die eigenen Stärken besinnen. Die Rahmbedingungen für die digitale Industrie müssen möglichst freundlich gestaltet werden, das heisst, Regulierungen sollten prinzipiengeleitet sein und nicht schon am Anfang eines Innovationsprozesses die Märkte «ersticken». Und im Public Sector sollten pendente Themen auf den Weg gebracht werden, wie eine E-ID. Und nochmal das Thema Bildung: Der Lehrplan 21 muss umgesetzt und Investitionen müssen in das duale System getätigt werden. Im Bereich der Fachhochschulen braucht es Angebote für Data Science und das Thema Cyber-Sicherheit. Wir haben in der Schweiz für all das eine gute Basis, auf der wir aufbauen können.

Microsoft trat im Dezember 2016 zum ersten Mal gemeinsam mit HIAG Data und Noser Engineering an einer Pressekonferenz auf. Was war Ihr erster Eindruck von HIAG und was bekräftigte Sie damals zu einer Zusammenarbeit?

MJ: HIAG ist in kultureller Hinsicht ein Familienunternehmen mit einer Geschichte, die zeigt, wie sich das Unternehmen selbst neu erfunden hat. Das hat mich in Bezug auf HIAG Data hellhörig gemacht. Die Fähigkeit sich zu wandeln ist für das Geschäft mit der digitalen Transformation sehr wertvoll und schafft Glaubwürdigkeit.

Microsoft agiert mit einem weltweiten Partner-Netzwerk. Worin sehen Sie die grössten Chancen bei einer Zusammenarbeit mit HIAG Data?

MJ: Was HIAG Data ausmacht, ist sicherlich ein ausgeprägter unternehmerischer Geist und der Vorteil, dass HIAG Data aus meiner Sicht «Born in the Cloud» ist. Das wiederum bedeutet, dass HIAG Data ein besonderer Partner ist, wenn es darum geht, «Ökosysteme» zu identifizieren und aufzubauen. So können wir in der Schweiz und darüber hinaus Kunden die Möglichkeit bieten, ohne grosse Anfangsinvestition vom Nutzen digitaler Produkte sofort zu profitieren. Wir können gemeinsam Hindernisse beseitigen, die für Unternehmen den Weg in die Cloud erschweren würden. Durch die hohe Konnektivität und Sicherheit von HIAG Data sind wesentliche Probleme für die Kunden schon gelöst.

Immer mehr Unternehmen verändern ihre Angebote und Geschäftsmodelle, Dienstleistungen werden vermehrt zu «Services». Ist die klassische Kunden-Lieferanten-Beziehung passé?

MJ: Nein, diese Beziehungen gibt es alle noch. Ich denke, dass die Kunst darin liegt, basierend auf diesen Beziehungen neue Partnerschaften innerhalb eines Ökosystems aufzubauen. Dabei sollten die Ansprechpartner CEOs und Verwaltungsräte sein. Digitalisierung ist Chefsache und selbst wenn es nicht immer so gelebt wird, darf man dies als vertrauenswürdiger Partner auch von seinem Kunden einfordern.

Microsoft ist einer der grössten Anbieter von IaaS- (Infrastructure as a Service) und PaaS- (Platform as a Service) Lösungen. In welche Richtung werden sich diese Plattformen entwickeln und wie gelingt es, bei diesem Tempo Wissen und Verständnis gegenüber Kunden und Öffentlichkeit aufzubauen?

MJ: Das ist eine sehr gute und berechtigte Frage. Das Tempo der Innovationen in diesem Bereich ist so hoch wie sonst nirgendwo, besonders getrieben durch die Hyperscale-Cloud und die sich ständig weiterentwickelnden Algorithmen. Die damit aufkommenden Themenkomplexe können wir nur gemeinsam mit Forschung und Wissenschaft verstehen und durchdringen. Das betrifft positive Aspekte gleichermassen wie Gefahren. Zum Beispiel entwickelt sich das Thema Künstliche Intelligenz (KI) rasant und es gibt deshalb auch warnende Stimmen, zu denen wir auch gehören. Wir erachten es als wichtig, dass in Zusammenarbeit mit den Regierungen klare Spielregeln definiert werden. KI soll für und um den Menschen herum gebaut werden – die Algorithmen indes müssen beeinflussbar bleiben.

Auch die Entwicklung der Cloud-Technologie schreitet rasch voran. Überfordert dieses Tempo Unternehmen nicht auch bei der Entscheidung für oder gegen die Cloud?

MJ: Das ist eine Frage, die uns alle umtreibt. Der Weg in die Cloud und das souveräne Agieren darin gelingt am besten mit kleinen, aber wirksamen Schritten, die schnell einen Nutzen sichtbar machen. Für KMUs ist zum Beispiel modernes und mobiles Arbeiten ein prioritäres Thema – das lässt sich leicht umsetzen und der erste Schritt in die digitale Welt ist schnell getan. Der zweite Schritt ist dann die Entwicklung des Geschäftsmodells und die Nutzung des Potenzials, das in den Beziehungen zu Kunden und Lieferanten liegt.

Sie zeigen an Ihrem Schweizer Sitz in Wallisellen Kunden sehr offen, wie sich der digitale Wandel auf die Arbeit auswirkt und wie Microsoft selbst damit umgeht. Was sind Ihre eigenen Erfahrungen, die Sie gerne an Kunden weitergeben?

MJ: Ich denke, zentral in dieser schnelldrehenden Zeit ist es, die Unternehmenskultur im Auge zu behalten und sorgsam damit umzugehen. Denn der «War for Talents» verschärft sich bereits massiv. Bestimmte Profile sind weltweit knapp. Microsoft rekrutiert auch für das Partnernetzwerk und da sieht es momentan schwierig aus. Wenn ich deshalb als Unternehmen attraktiv bleiben will und Talente anziehen möchte, muss ich überlegen, wie ich das tun kann. Die Mitarbeiterzufriedenheit spielt dabei eine wichtige Rolle, da sich diese wiederum auf die Kultur im Unternehmen auswirkt. Ein Unternehmen muss heute zeigen, warum es sinnvolle Arbeit ermöglicht. Es braucht die Offenheit eines Unternehmens, sich auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Mitarbeiter einzustellen. Daran arbeiten wir täglich.

Welcher technologische Megatrend wird sich aus Ihrer Sicht künftig am stärksten auf die Entscheidungen der Unternehmensführung auswirken?

MJ: Ich denke, für einen CEO und CFO ist heute entscheidend, dass die Daten und Informationen zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind. Deshalb ist KI heute das, was die Cloud vor fünf Jahren war. Ein CFO zum Beispiel bekommt mittlerweile seinen Forecast für die Verkäufe exakter von einer Maschine geliefert als von den Vertriebsmitarbeitern. Auch im Bereich Marketing werden Entscheidungen durch Algorithmen geprägt. Man wird vorhersagen können, was der Kunde brauchen wird und welche Entscheidungen er warum trifft. Wir forschen und arbeiten zum Beispiel mit der Sentiment-Analyse, die uns zeigt, was weltweit zu einem bestimmten Thema gesagt wird und wie das Entscheidungen beeinflusst. Ebenso werden künftig Entscheidungen in der Produktion durch die Erhebung und Interpretation von Daten besser und zu Gunsten von Qualität und geringeren Kosten getroffen.

Am 25. Mai 2018 tritt die GDPR (General Data Protection Regulation) in der EU und in der Schweiz in Kraft. Wie können sich Schweizer Unternehmen Ihrer Empfehlung nach darauf vorbereiten?

MJ: Der erste Schritt ist es, das Thema nicht als Bedrohung zu begreifen, sondern als Chance. Unternehmen sollten sich zunächst anschauen, an welchen Stellen in den Prozessen sie überall GDPR-relevante Daten generieren und ob dies an jenen Stellen überhaupt notwendig ist – oder ob der Prozess nicht anders organisiert werden kann. Der zweite Schritt ist dann die Auswahl einer geeigneten Cloud-Technik, die insofern helfen kann, dass sie im Idealfall so gebaut ist, dass sie bereits GDPR-kompatibel arbeitet. Ein Unternehmen ist verpflichtet, dem Kunden heute sofort sagen zu können, wo welche Daten liegen. Das hat am Ende des Tages auch etwas mit der Reputation zu tun.